Edelsteinschürfen im Riesengebirge
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Der Edelsteinabbau wurde mit Graben der untiefen Schürfgräben und Schächte in den Flusstälern angefangen. Dann wurde Kies, Sand und das abgebaute Material gesiebt und in speziellen Gefäßen gewaschen, wodurch sog. Black Sand, also ein Konzentrat der schweren Mineralien entstand. Edelsteine kommen nicht nur in Sand und Kies der Flusstäler vor, sondern auch im bündigen Gefüge der Magma-, metamorphischen, und Sedimentgesteine. Fast 1/6 aller Edelsteine kommt aus Pegmatitdrusen, wo sich schöne Kristallexemplare gebildet haben.
In der im Jahre 1556 veröffentlichten Arbeit „De re metallica” des Sachsen Georg Bauers (1494-1555), auch Agricola genannt, finden wir die Abbildung und folgende Beschreibung der von Wallonen angewendeten Methoden der Gold- und Edelsteinförderung aus den Bergbächen: „Italiener, die sich in deutsche Berge begeben, um dort nach Gold zu suchen, waschen den Bachsand, der mit Glimmern und Edelsteinen vermischt ist, in einer langen, seichten Rinne (A), die aus einem Holzstamm geschnitten und einerseits geöffnet (B) ist. Die Rinne legen sie dann so in den Bach (D), dass das Wasser sie nicht mit einem schnellen Fluss überfließt, sondern langsam durch sie treibt. Dann tun sie Sand rein und mischen mit einem an die Rinnenform angepassten Löffel (E) herum. Damit die Goldklümpchen und Granate nicht mit leichtem Sand weggetrieben werden, schließen sie die offene Seite (C) mit einem Brett (F), das aber kleiner ist als die Seitenwände der Rinne. Die Goldklümpchen und Granate, die sich mit dem schwereren Sand auf dem Boden lagern, waschen sie in einem separaten Handbecken, packen in Ledertaschen (G) ein und nehmen mit.
Die Mengen der im Riesengebirge abgebauten Edelsteine waren so groß, dass der Kaiser Rudolf II. die besten Steinschleifer aus Prag anlockte. Es waren die berühmten Brüder Miseroni aus Mailand. 1580 waren in den Vororten von Prag, in Bubeneč, eine Schleifermühle und Werkstätten der Edelsteinbearbeitung tätig, die von Ottavio aus der Familie Miseroni geleitet wurden.
Hundert Jahre später erwähnte Christian Gryphius in seinem nach der Reise ins Riesengebirge Riesengebirge im Jahre 1670 verfassten Reisebericht einen gewissen Christoph Exner, Edelsteinschleifer und -schürfer aus Krummhübel (heutigem Karpacz). Das Edelsteinschürfen und -waschen war damals im Riesengebirge so populär, dass selbst im Hirschberger Tal einige Steinwäschereien und -schleifereien tätig waren, u. a. in Hermsdorf (Sobieszów).
Bad Warmbrunn (Cieplice) wurde zu einer echten Hauptstadt der damaligen Edelsteinschleifer. Könige, Fürste, Adel und Kurgäste, die zu hiesigen Warmbäder kamen, bestellten bei Warmbrunner Steinschleifern vor allem Siegel und Siegelringe, sowie Ringe mit eingravierten Motiven und Zitaten. Sogar eine der prominenten Persönlichkeiten der Aufklärung, Hugo Kołłątaj, der in hiesigem Kurort im September 1792 weilte, bestellte bei den Warmbrunner Handwerkern vier Siegel. Auf einem von ihnen ließ er eine Inskription zum Gedenken der polnischen Verfassung vom 3. Mai 1791 eingravieren. Einen anderen fertigte man in Topas an und fasste in Silber.
Den Mineralienreichtum von Riesengebirge konnte man in der von der Familie Schaffgotsch aus Bad Warmbrunn jahrelang bereicherten Mineraliensammlung bewundern, die vor allem Kristalle präsentierte. Wincenty Pol schrieb über sie 1847 folgendermaßen: „Die Mineraliensammlung ist systematisch angelegt und sehr reich, besonders wenn es umKristalle größter Schönheit geht. Überhaupt zählt sie über 12 000 Exemplare…”
In der Nähe von Warmbrunn, Łomnica (Lomnitz) und Kowary (Schmiedeberg), sowie aus den Kieselsteinen gewann man vor Jahren einen topasähnlichen Stein, der als falscher, goldener, schottischer, tschechischer oder spanischer Topas bezeichnet wurde. Er wurde vor Ort geschliffen und in Form von Halsketten als „schlesischer Topas“ verkauft. Es handelte sich um einen zitronengelben Quarz, der vom lateinischen Wort citrus dann „Citrin“ benannt wurde.
Agricola, Gelehrter, Metallurg und Alchimist der Renaissancezeit, stellte fest, dass der Name „Quarz“ vom slawischen Wort skwarzyć, also braten, kommt, da er beim Schlag funkt. Sein chemischer Name ist Siliciumdioxid (SiO2) und es kommt in fast 200 Arten vor.
Bergkristall ist Quarz in der reinsten Gestalt, von so großer Härte, dass er Glas und Feldspat ankratzt. In der Antike verwendete man Quarzkugeln zum Wundausbrennen und japanische Sticker, die komplizierte Stickmuster anfertigten, gebrauchten sie zum Händekühlen, um dem Schwitzen vorzubeugen. Juwelier sind imstande, den Bergkristall vom Glas sehr schnell zu unterscheiden, indem sie den Stein an die Wange legen – Bergkristall kühlt. Die antiken Griechen glaubten, dass das Mineral Eis ist, das die Schmelzfertigkeit verloren hat und es deswegen crystallos nannten, was eben Eis bedeutet. Plinius stellte fest, dass der Bergkristall während frostiger Nächte aus Schnee entsteht. Anfang des 19. Jahrhunderts existierten in Lomnitz, Fischbach und Schreiberhau (Szklarska Poręba) spezielle Werke, die sich mit Bergkristallabbau beschäftigten.
Der violette Quarz verdankt seinen Farbton einem hohen Gehalt von Eisenoxid (Fe2O3), wird Amethyst genannt und gehört zu den wertvollsten Quarzarten. Amethyst soll nach dem antiken Glauben seinen Besitzer vor Trunksuchtfolgen schützen, da der Name dieses Minerals auf Griechisch „sich nicht betrinken“ bedeutet. Später deutete man seinen Namen etwas anders, als „dieser, der nicht vergiftet“, also vor Gift schützt. Der Edelstein soll auch vor Irrtümern, Ärger und Wahnsinn schützen. Hl. Hildegard von Bingen riet dazu, unterschiedliche Hauterkrankungen zu heilen, indem man den Stein mit der Zunge befeuchtet und dann damit die kranke Stelle reibt. Ihrer Meinung nach sollen an der Hüfte getragene Amethyste den schwangeren Frauen versichern, dass ihre Kinder schön, klug und gesund werden und den unfruchtbaren Frauen eine baldige Mutterschaftsfreude bringen.
Bis heute können wir in den Gebirgsbächen in Riesengebirge, u. a. in Plagnitz (Płomnica) und Kleine Lomnitz (Łomniczka) linsengroße Amethyst-, Bergkristall- und Granatsplitter von brauner Farbe finden. Die letzteren kamen sehr reich an der schlesischen Seite von Riesengebirge vor und waren genauso wertvoll wie Gold. Die Venezianer gebrauchten sie als Zusatz zu sog. Goldsalz, das im Herstellungsprozess des Farbglases gebraucht wurde. Während Ihres Spaziergangs in dieser Gegend kann sich ein zufällig getretener Stein als ein wertvolles Mineralexemplar entpuppen.
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