Wallonen – die mittelalterlichen Schatzsucher
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Schatzsucher kamen ins Iser- und Riesengebirge schon im Mittelalter. Die Lust, Schätze zu finden und Ruhm zu genießen, überwog die Unzugänglichkeit des Gebirges.
Die Anfänge des Erzschürfens im Riesengebirge reichen ins 12. Jahrhundert und sind vor allem mit Ankömmlingen aus weitem Wallonien verbunden.
Ein gewisser Laurentius Angelus, ein Bergbaumeister, sollte 1148 in der Nähe von heutigem Kowary (Schmiedeberg), am Hang vom Berg Rudnik (Leuschnerberg) so reiches Eisenerzvorkommen entdeckt haben, dass 10 Jahre später der Fürst Boleslaus der Krause zweihundert Leute geschickt hat, damit sie Erz förderten, daraus Eisen schmolzen und Metallgegenstände schmiedeten. Die Dankbarkeit der Bergleute aus Schmiedeberg und Steinseiffen (heute Ściegny) war so groß, dass sie den legendären Eisenerzentdecker ehren wollten und 1225 eine dem hl. Laurentius gewidmete Holzkapelle stifteten.
Solche Namen wie „Wale”, „Wallone”, „Wälsche”, „Wahl”, „Wahle”, „Wahlen”, „Walen” „Wołch”, „Włoch”, „Walische”, Venetier”, „Venediger”, „Venetianer”, „Walschen” oder „Italiener” bezeichneten im Mittelalter einen Schatzsucher, ohne Hinsicht darauf, ob er aus Norditalien, dem weiten Wallonien, benachbarten Sachsen, Harz oder Erzgebirge kam.
Die erste Information über Schatzsucher im höchstem Gebirgszug der Sudeten ist im bekannten „Breslauer Wallonenbuch” aus dem 15. Jahrhundert zu finden. Davon kann man über einen Ankömmling aus Florenz, Antonio de
Medici, auch Antonius der Walle genannt, Bergbauunternehmer und Erzsucher, erfahren.
Im 16. Jahrhundert kamen ins Riesengebirge unterschiedliche Sucher. Unter ihnen konnte man Ärzte, Alchimisten, Schatzsucher, Abenteurer, Rutengänger, Bergleute, Freigeister und Krakeeler treffen. Einer von ihnen war der Arzt Petrus Andreas Matthiolus aus Siena (1507-1577), der unser Gebirge 1563 auf der Suche nach Heilpflanzen besucht hat. Ein anderer, Leonhard Thurneysser zum Thurmwar, war Arzt und Alchimist. Das Iser- und Riesengebirge suchte er vor 1570 auf und fand hier Gold und Edelsteine.
Die wertvollsten Exemplare (Korunde, Saphire oder Rubine) verwendeten die Wallonen zur Anfertigung von Kunstschmuck, und die Halbedelsteine wie Amethyste, Topase, Turmaline, Granate, Jaspisse oder Bergkristalle dienten zur Herstellung der berühmten Florentiner Mosaiken. Die Venediger interessierten sich für wertvolle Steine aus anderen Gründen - weil sie Minerale mit Kobaltbindungen zum Glasfärben verwendeten.
Die Schatzsucher im Riesengebirge wollten vor allem Gold finden. Dieses wertvolle Erz kommt in hiesigem Gebirge in drei Grundformen vor: in den Sanden und Kies der Gebirgsbäche und -flüsse, in den Metallerzen und als Intrusionskerne in den Gesteinen, z.B. in den Quarzgängen.
Ein bekannter Treffpunkt der Schatzschürfer im mittelalterlichen Schlesien war der Salzmarkt in Wrocław (Breslau).
Dort tauschte man Informationen über Schätze, zu ihnen führende Wege und Methoden ihrer Förderung aus.
Zur Entstehung einer geheimnisvollen, ungewöhnlichen Aura trugen Notizen der Schatzschürfer bei, die mit der Zeit „Wallonische Bücher” genannt wurden. Sie verliehen einen Eindruck, dass die Schätze wirklich erreichbar sind. Diese bis heute erhaltenen Handnotizen der Wallonen sind eine echte Grube vielleicht nicht der Schätze im wörtlichen Sinne, sondern unseres Wissens über Vorkommen der Edelerze und -steine, ihrer Menge, Qualität und Aussehen, sowie über Werkzeugvorbereitungs-, Schatzsuche-, Wander-, Markierungs- und Wegfindungsmethoden. Sie enthalten auch Hinweise, wie man mit Geistern umgehen soll, die unterirdische Schätze bewachen, um ihre böse Wirkung aufzuheben oder sogar ihre Zuneigung zu gewinnen. Aus den Wallonischen Büchern kommen erste Informationen über Schatzsucher, die unsere Berge besuchten. Weil die Wallonen es pflegten, sich unter den Notizen zu unterschreiben, kennen wir manche von ihnen beim Vor- und Nachnamen. Die ältesten schriftlichen Informationen über die Schatzsucher, die ins Iser- und Riesengebirge aus dem weiten Italien kamen, enthält ein Pergamentmanuskript aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, das bis zum Ende des zweiten Weltkriegs in der Stadtbibliothek in Breslau aufbewahrt wurde. Ihr Urheber war wahrscheinlich der Antonius aus Florenz, auch als Antonius der Wale bekannt.
Ende des 19. Jahrhunderts kamen zwei handgeschriebene Wallonische Bücher aus dem 16. Jahrhundert in Besitz des Arztes Fiegel. In einem von ihnen liest man: „In einem hoch gelegenen Gebirgstal im Norden findest du Zeichen neben einem Strauch, dessen Gestalt einem Menschen ähnlich ist, geh nebenan nach oben, bis du Mahlstein findest. Darunter befindet sich eine Höhle, geh rein. Darin findest du viel Gold, es ist aber nicht sicher. Deswegen geh weiter, bis du einen Felsen findest, von dem das Wasser herunterfällt, er heißt Hoher Wasserfall. Hinter der Wasserwand befindet sich eine Höhle. Geh rein. Dort findest du viel Gold.”
Bis vor kurzem konnte man im Iser- und Riesengebirge Spuren der Wallonentätigkeit finden: geheimnisvolle, in Stein gemeißelte Symbole, dank denen sie die Wege zu Schätzen finden konnten. In seiner Chronik aus dem Jahre 1558 erwähnt der Böhme, Simon Hüttl, zum ersten Mal „viele Kreuze und Zeichen und an der Buche gemeißeltes Datum MDII (1520) und die Hand, die nach Osten zur Tanne zeigt, an der wiederum Hammer und Spitzhacke gehauen sind“.
Die an Steinen, Felsen und Bäumen untergebrachten Zeichen dienten nicht nur als Wegweiser, sondern auch als Talismane.
Die von Schatzsuchern gelassene Zeichen nahmen unterschiedliche Formen an und, wie es G. A. Volkmann erwähnte, man konnte im Riesengebirge zahlreiche Symbole finden: menschliche Gestalten, Hände, Schilder, Messer, Räder, Kreuze, Bogen, Gitter, Leitern, Räder mit Hacken, Räder mit Kreuzen, Monde, Sonnen und unterschiedliche Linien- und Buchstabenkombinationen. Manche Zeichen ähneln der Symbolen, mit denen Bergleute manche Metalle bezeichnen, und so stand Mond für Silber, Sonne für Gold, Venussymbol für Kupfer und Saturnsymbol für Blei.
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